***** 1982 war ein ganz besonderes Jahr für Tangerine Dream. Nach vielen Jahren der Mißachtung wurde sie in diesem Jahr auch in Deutschland endlich zur Kenntnis genommen. Grund dafür war, daß sie im Sommer 1982 mit der Single „Das Mädchen auf der Treppe“, der Musik aus der gleichnamigen Tatort-Episode, einen Top 20 Hit landen konnte. Der Erfolg der Single kam überraschend, am meisten wohl für Tangerine Dream, die bisher alles andere als kommerzielle Musik gespielt hatte. Dementsprechend fand auch ihr fünfzehntes Album „White Eagles“ Beachtung, daß erste Tangram Werk, das sich in den deutschen LP-Charts plazieren konnte, sich gut verkaufte. Die erste Seite wird komplett von dem fast 20 Minuten langen „Mojave Plan“ ausgefüllt, ein komplexes Klangbild, in dem Edgar Froese, Chris Franke und Johannes Schmoelling die großen Werke der Gruppe aus der Vergangenheit zitieren und zeitlich aufgefrischt sehr abwechslungsreich präsentieren. Das Anhören dieses Stücks verlangt vom Zuhörer schon einiges an Konzentration und Geduld. Als Gegenleistung erhält man dafür ein Vielfaches an Klangmalerei und atmosphärisch sehr dichter Musik zurück. Wesentlich eingängiger ist Seite 2 mit „Midnight In Tulsa“ und „Convention Of The 24“. Hier sprudeln Synthesizerklänge mit einem straffen Rhythmus und sind nebenbei der ideale Soundtrack für Diskothekenbesucher nach Mitternacht. Den Rausschmeißer des Albums bildet das melancholisch anmutende „White Eagle“. Wer „Das Mädchen auf der Treppe“ kennt, dem wird dieser Titel bekannt vorkommen, handelt es sich hierbei um die Urversion des Erfolgstitels. Ob als „White Eagle“ oder als „Das Mädchen auf der Treppe“ – dieser kommerziellster aller Tangerine Dream Titel ist einfach grandios! Im Vergleich zu ihren Alben der Jahre 1974-1977 flacht „White Eagle“ etwas ab. Trotzdem ist den Tangrams ein hervorragendes Werk gelungen, stellt es doch das Optimum dessen dar, wie packende elektronische Musik der frühen 80er Jahre klingen mußte. Was bei den vielen Nachahmern teilweise ungelenk und hölzern klang (und nebenbei immens erfolgreich war), wirkt bei Tangerine Dream sehr abwechslungsreich und mit scheinbar leichter Hand inszeniert. Dementsprechend eignet sich dieses Alben für Tangram-Neulinge als idealer Einstieg. |